Letzte Aktualisierung am 26. April 2012 • © 2007 - 2012 Fachkrankenhaus Hansenbarg & Achim Kock • Alle Rechte vorbehalten
Dr. med. Robert Stracke — 2/4
In dem Hansenbarg-Kurier No. 59, Februar 2002, erschien das Interview, welches Carlo Eggeling für den Hansenbarg-Kurier mit
Doktor Stracke kurz nach dessen Dienstantritt (1. Februar 2002) im Fachkrankenhaus Hansenbarg führte, unter dem Titel:
Bewährtes bewahren und Neues anpacken
Klinikchef Dr. Stracke stellt seine Ideen vor
Foto: Antje Lohse
Text: Hansenbarg-Kurier No. 59, Februar 2002
Dr. Stracke: Da sind mehrere Dinge, wie zunächst
die sehr professionelle Arbeit. In Mitarbeiterrunden
werden kritische Situationen der Patienten auf ho-
hem Niveau besprochen. Zudem gibt es ein breites
Angebot an Indikativen Gruppen, wo es unter an-
derem um Themen wie Angst und Sucht geht. Jede
Suchtkarriere verläuft individuell, die Betroffenen
dürfen nicht mit dem Angebot der Klinik über einen
Kamm geschoren werden.
Die Kinderseminare sind etwas ganz Besonderes
und selten im Suchthilfeangebot. Es ist gut, wenn
Jungen und Mädchen hier die Möglichkeit haben,
über die Sucht der Eltern und ihr Erleben sprechen
zu können.
Das Umfeld des Hansenbargs mitten im Wald und in
der Heide ist schön. Sauna und Schwimmbad sind
ein weiteres Plus. Die Klinik ist gut in Schuss.
Carlo Eggeling: Das kann man anders sehen. Alles,
was mit der Freizeit der Patienten zu tun hat, führt im
Wortsinn ein Schattendasein. Wer im Fernsehraum
des Hansenhauses hockt, mutiert aufgrund der
Finsternis und der Uraltmöbel zum Höhlenmenschen,
der Raucherraum trägt den anheimelnden Titel Hölle,
die Cafeteria erinnert an eine Spelunke. Meinen Sie
nicht, dass man dringend etwas tun müsste?
Carlo Eggeling: Als Sie sich kürzlich hier im Hau-
se Selbsthilfegruppen vorstellten, begannen Sie
mit einem Kurzvortrag über Warburger Bier — un-
gewöhnlich in einer Suchtklinik, wo Patienten ver-
suchen, vom Alkohol wegzukommen. Warum die-
ser Weg?
Dr. Stracke: Ich bin in der Gegend groß gewor-
den. Es war typisch für deutsche Verhältnisse, das
Bier hatte dort Kultcharakter, die Marke mit der
man sich identifiziert und die reichlich konsumiert
wird. Mir wurde später bewusst, dass dies bedenk-
lich ist, denn die Grenzen sind fließend zwischen
sogenanntem Konsum und krankhaftem Trink-
muster. Schnell ist einer drauf. In Deutschland
kennt jeder jemanden, der alkoholkrank ist, im
Bekanntenkreis, in der Familie. Mein Onkel bei-
spielsweise war alkoholkrank.
Mindestens drei Prozent der Bevölkerung haben
dieses Problem. Darauf wollte ich aufmerksam
machen.
Carlo Eggeling: Sie sind jetzt, wo wir dieses Ge-
spräch führen, elf Tage im Amt. Was gefällt Ihnen am
Hansenbarg?
Dr. Stracke: Erst einmal sehe
ich das Positive. Man kann mit
diesen Dingen arbeiten. Vorweg:
Patienten tun eine Menge, um
ihre gewohnte Atmo-sphäre
wiederherzustellen, die auch Sicherheit gibt, weil
Situationen mit Alkohol entspannend, beruhi-gend,
kontaktfördernd gewirkt haben; Alkohol ist eben
Schmieröl der Gesellschaft. In der Patienten-gruppe
kann die Situation Cafeteria/Spelunke auf-gegriffen
werden, man kann dies analysieren und
therapeutisch bearbeiten, auf die Gefahren auf-
merksam machen.
Carlo Eggeling: Ein heller, lichter Raum wäre
schöner.
Dr. Stracke: Da sind wir bei der finanziellen Frage.
Der Träger der Klinik gibt ein gedeckeltes Budget
vor, LVA und BfA passen ihre Ausgaben allenfalls
den gestiegenen Lebenshaltungskosten an. Wir
müssen sehen, wo wir Mittel zunächst dringender
brauchen. Müssen wir alte Rohre ersetzen, etwas
am Reetdach reparieren, neue Maschinen für die
Wäscherei anschaffen?