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Dr. med. Robert Stracke — 2/4
In dem Hansenbarg-Kurier No. 59, Februar 2002, erschien das Interview, welches Carlo Eggeling für den Hansenbarg-Kurier mit Doktor Stracke kurz nach dessen Dienstantritt (1. Februar 2002) im Fachkrankenhaus Hansenbarg führte, unter dem Titel: Bewährtes bewahren und Neues anpacken Klinikchef Dr. Stracke stellt seine Ideen vor Foto: Antje Lohse Text: Hansenbarg-Kurier No. 59, Februar 2002 Dr. Stracke: Da sind mehrere Dinge, wie zunächst  die sehr professionelle Arbeit. In Mitarbeiterrunden  werden kritische Situationen der Patienten auf ho-  hem Niveau besprochen. Zudem gibt es ein breites  Angebot an Indikativen Gruppen, wo es unter an-  derem um Themen wie Angst und Sucht geht. Jede  Suchtkarriere verläuft individuell, die Betroffenen  dürfen nicht mit dem Angebot der Klinik über einen  Kamm geschoren werden.  Die Kinderseminare sind etwas ganz Besonderes  und selten im Suchthilfeangebot. Es ist gut, wenn  Jungen und Mädchen hier die Möglichkeit haben,  über die Sucht der Eltern und ihr Erleben sprechen  zu können. Das Umfeld des Hansenbargs mitten im Wald und in  der Heide ist schön. Sauna und Schwimmbad sind  ein weiteres Plus. Die Klinik ist gut in Schuss. Carlo Eggeling: Das kann man anders sehen. Alles, was mit der Freizeit der Patienten zu tun hat, führt im Wortsinn ein Schattendasein. Wer im Fernsehraum  des Hansenhauses hockt, mutiert aufgrund der  Finsternis und der Uraltmöbel zum Höhlenmenschen, der Raucherraum trägt den anheimelnden Titel Hölle,  die Cafeteria erinnert an eine Spelunke. Meinen Sie  nicht, dass man dringend etwas tun müsste? Carlo Eggeling: Als Sie sich kürzlich hier im Hau-  se Selbsthilfegruppen vorstellten, begannen Sie  mit einem Kurzvortrag über Warburger Bier — un- gewöhnlich in einer Suchtklinik, wo Patienten ver- suchen, vom Alkohol wegzukommen. Warum die-  ser Weg? Dr. Stracke: Ich bin in der Gegend groß gewor-  den. Es war typisch für deutsche Verhältnisse, das Bier hatte dort Kultcharakter, die Marke mit der  man sich identifiziert und die reichlich konsumiert  wird. Mir wurde später bewusst, dass dies bedenk- lich ist, denn die Grenzen sind fließend zwischen  sogenanntem Konsum und krankhaftem Trink-  muster. Schnell ist einer drauf. In Deutschland  kennt jeder jemanden, der alkoholkrank ist, im  Bekanntenkreis, in der Familie. Mein Onkel bei-  spielsweise war alkoholkrank. Mindestens drei Prozent der Bevölkerung haben  dieses Problem. Darauf wollte ich aufmerksam  machen. Carlo Eggeling: Sie sind jetzt, wo wir dieses Ge-  spräch führen, elf Tage im Amt. Was gefällt Ihnen am  Hansenbarg?   Dr. Stracke: Erst einmal sehe ich das Positive. Man kann mit diesen Dingen arbeiten. Vorweg: Patienten tun eine Menge, um ihre gewohnte Atmo-sphäre wiederherzustellen, die auch Sicherheit gibt, weil Situationen mit Alkohol entspannend, beruhi-gend, kontaktfördernd gewirkt haben; Alkohol ist eben Schmieröl der Gesellschaft. In der Patienten-gruppe kann die Situation Cafeteria/Spelunke auf-gegriffen werden, man kann dies analysieren und therapeutisch bearbeiten, auf die Gefahren auf- merksam machen. Carlo Eggeling: Ein heller, lichter Raum wäre schöner. Dr. Stracke: Da sind wir bei der finanziellen Frage. Der Träger der Klinik gibt ein gedeckeltes Budget vor, LVA und BfA passen ihre Ausgaben allenfalls den gestiegenen Lebenshaltungskosten an. Wir müssen sehen, wo wir Mittel zunächst dringender brauchen. Müssen wir alte Rohre ersetzen, etwas am Reetdach reparieren, neue Maschinen für die Wäscherei anschaffen?